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Soziale Landwirtschaft

Den Kindern die Augen für die Welt zu öffnen ist unser Wunsch,

sie für das Leben stark zu machen ist unsere Aufgabe!

                                                                                                                                                                                      (Maria Montessori)

 

Auf diesem pädagogischen Grundsatz beruht die Arbeit mit den Erziehungsstellenkindern welche  mit uns in der Familie leben, sowie mit allen Kindern und Jugendlichen die in verschiedensten Angeboten mit uns und den Tieren in Kontakt treten.

Die Landwirtschaft bietet da Potentiale, wenn sie nicht zu spezialisiert und technisiert organisiert ist, vielfältige Tätigkeiten und Möglichkeiten, unterschiedliche, nach Leistungsfähigkeit einteilbare Aufgabenbereiche, deren Sinn sich unmittelbar anschaulich erschließen kann, wenn Tiere Futter, die Küche Gemüse oder der Ofen Holz brauchen. Die Wahrnehmung von Lebendigem bewegt die Seele und das Kümmern um das anvertraute Leben, ob Pflanze oder Tier, stärkt die eigenen Kräfte, neben dem generell positiven Einfluss des Naturerlebens.

Von daher ist die Landwirtschaft prädestiniert  für pädagogische und therapeutische Angebote und bietet auch die Möglichkeit für Menschen mit Assistenzbedarf, in gewissen Umfang selbständig zu arbeiten.

Unser Hof ist von vornherein so geplant und organisiert, dass eine größtmögliche Autonomie der Betreuten entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse verwirklicht werden kann. Ihre Privatsphäre ist zu schützen und ihre Unabhängigkeit zu fördern. Sie sollen Halt und Orientierung finden können und in eine gut funktionierende soziale Struktur integriert werden.

Die Vielseitigkeit der Tätigkeiten in einem landwirtschaftlichen Betrieb und die damit verbundenen Herausforderungen und Fördermöglichkeiten bilden daher eine hervorragende Grundlage für die Entwicklung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Nicht nur für Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung bietet die soziale Landwirtschaft die Möglichkeit, in einem menschlich sortierten Maße tätig zu sein, sondern allgemein für Menschen die in unserer Gesellschaft in irgendeiner Form nicht funktionieren. Die Nachfrage nach Orten, die Raum geben für eine Neuorientierung in psychisch belastenden Lebenssituationen, steigt.

 







Welchen Einfluss nehmen die Tiere auf das soziale und emotionale Lernen des Kindes?

Lernen beginnt bereits im Mutterleib und begleitet uns ein Leben lang. Lernen ist aber auch nur dann möglich, wenn das Kind so früh wie möglich anregende und positive Reize erhält, ohne dabei überlastet zu werden.

Lernen in Betongebäuden unter Neonlicht und großer Geräuschkulisse schränkt die Aufnahmefähigkeit und damit auch die Entwicklung des Gehirns ein. Naturverbundene Lerninhalte im Lebensraum unserer Umwelt unterstützen nicht nur das kindliche Interesse am Entdecken und Forschen, sie fördern gleichzeitig auch die körperlichen, seelischen, geistigen, sozialen, emotionalen und kreativen Talente des Kindes. Umweltpädagogische Ansätze ergänzen sich somit hervorragend mit den Zielen der tiergestützten Intervention.

Neben der rationalen Intelligenz (IQ, kognitive Fähigkeiten) und der praktischen Intelligenz (Feinmotorik, räumliches Vorstellungsvermögen etc.) steht die emotionale Intelligenz für die intuitiven Fähigkeiten, das Erkennen von Gefühlen anderer sowie die entsprechenden Reaktion (Empathie) auf diese, aber auch für die Selbstmotivation, die Motivation anderer und die Entwicklung kreativer Prozesse. 

Menschen brauchen für ihre körperliche, seelische, geistige, soziale und spirituelle Entwicklung Vorbilder. Vorbilder deren Verhalten das eigene Verhalten positiv beeinflusst, anregt und zu alternativen Verhaltensmustern motiviert. Kinder und Jugendliche sind für Vorbilder besonders empfänglich, befinden sie sich doch in einer Lebensphase, die auf allen Ebenen von intensiven Entwicklungen geprägt ist. Neben Menschen können gerade auch Haus- und Nutztiere Vorbilder sein. Sie eignen sich sogar besonders gut, da sie - artgerechte Tierhaltung und gute Behandlung vorausgesetzt - dem Menschen ohne Vorurteile begegnen. 

Durch das Beobachten des Soziallebens der Tiere erkennen Kinder auf spielerische Weise, warum die Tiere in ihren Tier-Familien so gut miteinander auskommen. Die arteigene Kommunikation und die soziale Rangordnung, klare Gesetze und Grenzen werden so von den Kindern schnell erkannt.

Entsprechend der Entwicklungsstufe des Kindes können die Verhaltensbeobachtungen auch als Vergleich für das Verhalten der Kinder untereinander genutzt werden. Die Beobachtung des sozialen Verhaltens im Rudel lässt die Kinder Vergleiche über ihr eigenes Verhalten und das soziale Umfeld anstellen. Vor allem aber die unvoreingenommene Akzeptanz der Tiere gegenüber dem Menschen erreicht auch jene Kinder die sozial isoliert oder ängstlich sind. Kinder mit grenzüberschreitenden und aggressivem Verhalten erkennen schnell dass das Tier sich - entsprechend dem Verhalten des Kindes - von diesem distanziert bzw. auch wieder annähert. Die Spiegelung des Verhaltens des Kindes im Verhalten des Tieres ist eine wichtige Basis für das soziale und emotionale Lernen mit Tieren. Aber auch die Möglichkeit des empathischen, fürsorglichen Handelns in der Versorgung des Tieres ist elementarer Aspekt der tiergestützten Begleitung von Kindern und Jugendlichen.

Deshalb setzten wir uns das Ziel, die Kinder und Jugendlichen in ein stabiles soziales Umfeld zu integrieren, ihre Wiederherstellung einer gesunden Lebens- Schul- und Arbeitsmotivation und der schrittweise Abbau ihres symptomatischen Verhaltens. Der alternative Sozialraum "Bauernhof" soll bei den Kindern und Jugendlichen schrittweise die Motivation, das bisherige Leben zu ändern, entwickeln.  

Das Leben auf dem Bauernhof ermöglicht Alternativen zur bisherigen Lebensführung zu finden und neue Lebenskonzepte zu entwickeln. Die Kinder und Jugendlichen "können spüren und erkennen" , dass es möglich ist, eigene Gewaltbereitschaft zu zügeln. Sie trainieren, die Energie umzuwandeln und Mitgefühl zu empfinden. Hier steht nicht die verbale Informationsweitergabe oder das Vormachen von Handlungen im Vordergrund, vielmehr das gemeinsame Tun vermittelt den Kindern die richtige Handhabung. Hier wird die Hand des Kindes geführt, so dass das Kind den direkten Kontakt zum Tier behält und die Handlung sinnlich erlebt wird. Die Kombination von sinnlichem Erleben und Wissensvermittlung unterstützt effektiv, das Gelernte zu speichern und richtig umzusetzen: lebendige und sensitive Wissensvermittlung.

Die Wertschätzung der Natur und die Handlungsbereitschaft der Kinder, achtsam mit ihr umzugehen und sie zu schützen, ist umso größer, je mehr ökologische, erkundende und ästhetische Erfahrungen mit der Natur sie machen.