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                                   Nutztierarche

Nutztierarche, was ist denn das ?

Eine Nutztierarche ist ein Zuchthof für alte vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen

Jede Nutztierarche wird von der Dachorganisation VIEH (Vielfältige Initiative zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen) betreut und kontrolliert.

Derzeit gibt es 240 Nutztierarchen in Deutschland und 6 weitere im Ausland (Stand 2013). Die Höfe werden auf artgerechte Tierhaltung und Fütterung kontrolliert.

Die Tiere müssen auf Einstreu gehalten werden, Spaltenböden sind nicht erlaubt, Auslauf- und Freilandhaltung bei allen Wiederkäuern, Schweinen und Geflügel ist Pflicht und Wassergeflügel braucht Zugang zu Wasser.

Auch an die Fütterung sind Bedingungen gestellt: Alle Tiere müssen traditionell gefüttert werden ohne Leistungsfutter oder Mastfutter und es wird nahegelegt auf Soja und gentechnisch verändertes Futter zu verzichten.

Wir sind Mitglied seit Sommer 2018 und halten und züchten folgende alte und bedrohte Nutztierrassen: Moorschnucke, Krainer Steinschaf, Diepholzer Gans, Sulmtaler Huhn und Sundheimer Huhn.

 

Viele Menschen kennen die Rote Liste auf der der Panda, Tiger oder Luchs steht. Was die Meisten aber nicht wissen, es gibt auch eine Rote Liste der bedrohten Nutztierrassen.

Die Hälfte bis vor hundert Jahren noch gezüchteten Rassen sind heute bereits ausgestorben. Und es vergeht kein Tag an dem keine Rasse auf der Welt ausstirbt.

Wie kam es  zu diesem Massensterben?

Nach dem zweiten Weltkrieg veränderte sich die Landwirtschaft weltweit. Man spricht auch von der Industrialisierung der Landwirtschaft. Neue Anbaumethoden, Maschinen, Chemische Dünger und Pestizide verbesserten die Nahrungsgrundlage im pflanzlichen Bereich. Um auch in der tierischen Produktion die Leistung zu verbessern wurden die so genannten Hochleistungsrassen gezüchtet, die die doppelte bis dreifache Menge an Eiern, Milch, Fleisch und Wolle liefern. Zur Zucht wurden nur die besten und leistungsstärksten Rassen eingesetzt und die Hybridzüchtung kam auf, in der durch den Heterosiseffekt die höchste Leistung des Tieres hervorgebracht werden kann.

Die alten Rassen brauchte nun keiner mehr und viele starben aus. Erst durch den engagierten Einsatz einiger Züchter und Organisationen wie VIEH konnte der Bestand einiger Rassen wieder vergrößert werden. Seit dem ist zumindest in Deutschland keine Rasse mehr ausgestorben.

Es ist wichtig die alten Rassen zu erhalten und weiter zu züchten, denn diese Genreserve wird in Zukunft sicher wieder von Bedeutung sein und außerdem geht mit dem Aussterben jeder Rasse ein Stück Vielfalt verloren und Vielfalt war schon immer auf dieser Erde das Erfolgsrezept.

Nun möchten wir Euch unsere Rassen vorstellen:

 

 

                                                      Die Moorschnucke

Die Moorschnucke oder auch Weiße hornlose Heidschnucke gehört zu den Schnuckenarten und stammt von der weit bekannten Grau gehörnten Heidschnucke ab. Bei dieser kam es immer wieder zu weißen Schlägen, die zur Teilung der Rasse in graue und weiße Heidschnucke führte. Unter den weißen Heidschnucken kamen aber auch immer wieder hornlose Tiere vor und so wurde die weiße Heidschnucke nochmals geteilt in Weiß behornte und Weiße hornlose Heidschnucke oder eben Moorschnucke. 

Der Name der Rasse sagt bereits viel über das Einsatzgebiet der Moorschnucke aus. Sie ist  als einzige Schafrasse in der Lage Moor- und Feuchtgebiete zu beweiden. Andere Rassen bekämen schlimme Klauenprobleme und könnten in der feuchten Umgebung ihre Lämmer nicht aufziehen.

Moorschnucken bekommen meist nur ein Lamm pro Jahr um das sie sich aber bestens kümmern. Sie haben sehr geringe Futteransprüche und fressen sogar teils Sträucher und Baumaufwüchse. 

Die Wolle ist sehr grob und schützt die Schnucken bestens vor Regen, Wind und Schnee. Die Verarbeitung der Wolle ist nicht leicht aber verfilzen lässt sie sich recht gut.

Das Fleisch ist sehr schmackhaft und hat einen leichten Wildgeschmack. Das Schlachtgeweicht wird mit einem Jahr erreicht.

 

                                                   

                                                Das Krainer Steinschaf

Das Steinschaf gilt als eines der ältesten Schafrassen der Welt. Es stammt in direkter Linie vom Torfschaf ab, welches bereits zu Ötzi´s  Zeiten gehalten wurde.

Das Steinschaf war im gesamten Alpenraum verbreitet. Durch die verschiedenen Täler entstanden auch verschiedene Steinschafrassen: Das Tiroler Steinschaf, das Montafoner Steinschaf, das Alpine Steinschaf und das Krainer Steinschaf. Letzteres stammt aus der Region Krain im Dreiländereck Kärnten, Südtirol und Slowenien. 

Es gilt als Dreinutzungsschaf für Fleisch, Wolle und Milch. Der berühmte Bovec-Käse darf nur aus Krainermilch hergestellt werden. In Slowenien hat das Krainer Steinschaf eine lange Tradition und konnte auch nur durch die tiefe Verbindung der Menschen in den Bovec-Tälern erhalten bleiben.

Für die Landschaftspflege auf trockenen und mageren Standorten, sowie an Hängen ist das Krainer Steinschaf perfekt, denn sie haben geringe Futteransprüche. Trotzdem bringen sie oft Zwillinge zur Welt für die es, dank der guten Milchleistung, genügend Milch gibt.

Krainer sind sehr robust und wetterhart und haben ein ausgezeichnetes Fleisch und eine gute Wollleistung. Auch die Milchleistung ist für diese kleine Schafrasse eine beachtliche Leistung.

 

 

                                                 Die Diepholzer Gans

 Diepholzer Gänse sind temperamentvolle aufgeweckte Tiere, die wirklich jeden Hof unsicher machen.

Sie stammen aus der Diepholzer Moorniederung und wurden dort früher in großen Herden den Sommer über in die Moore getrieben und gemästet. Somit stellen sie an ihr Futter sehr geringe Ansprüche und ernähren sich hauptsächlich von Gras. Denn was viele nicht wissen, Gänse sind absolute Weidetiere und kommen bei uns auch in der Landschaftspflege von besonders feuchten Wiesenstellen zum Einsatz.

Gösselaufzucht ist im Normalfall kein Problem, wobei Diepholzer durchaus auf Angriff gehen können, wenn es um den Nachwuchs geht.

Das Fleisch ist sehr zart und schmackhaft, weshalb es zunehmend in Feinschmeckerkreisen hohes Ansehen hat.

Dank ihrer unkomplizierten Haltung werden Diepholzer heute zunehmend in der Biolandwirtschaft eingesetzt.

 

 

 

 

 

   Die Fränkische Landgans (Bayerische Landgans in blau)

   Die bayerische Landgans wurde in Franken, der Oberpfalz, in Niederbayern und     Schwaben gezüchtet und stellt somit den üblichen süddeutschen Landschlag           dar, der früher weit verbreitet war. Die nahe Verwandtschaft mit der wilden              Graugans zeigt sich durch die ausgesprochen gute Flugfähigkeit und das leichte      Gewicht von ca. 4-5 Kg bei Gänsen und 5-6 Kg bei Gantern. Grundsätzlich gibt           es  die bayerische Landgans in allen Farbschlägen. Im Rassestandard des                 Bundes deutscher Rassegeflügelzüchter wurde aber nur der blaue Farbschlag         in Form der Fränkischen Landgans oder auch Frankengans aufgenommen. Die       Fränkische Landgans ist anspruchslos und äußerst Brutfreudig. Sie zieht ihre           Gössel selbst auf und kann sich komplett ohne Zufütterung von der Wiese               ernähren. Da man aber auch ein bisschen Fleischansatz möchte füttert man             zusätzlich Körnerfutter. Die Hauptnahrung während der Vegetationszeit ist               aber Gras von der Weide. Auch wenn die Flugfähigkeit vorhanden ist, so                   beleibt  die Frankengans aber nach Eingewöhnung standorttreu. Der Bestand         ist immer noch sehr klein, aber steigend. Es ist nur dem bekannten und bereits       leider verstorbenen Freizeitparkbesitzer Ernst Mensinger zu verdanken, dass           die Fränkische Landgans seit 2002 wieder aktiv gezüchtet wird.

 

 

 

                                                                             

 

 

                                                Das Sulmtaler Huhn

Bereits die österreichische Kaiserin Sissi verspeiste Sulmtaler Kapaune (kastrierte Hähne).

Das zeigt wie alt diese Rasse ist und dass sie früher durchaus hohes Ansehen hatte. 

Optisch sind Sulmtaler eine Augenweide. Farbschläge gibt es zwei: Weizenfarbig und weiß. Wobei letzterer seltener ist. Die Hähne haben die klassische bunte Färbung der Hähne aus dem Bilderbuch. Auffallend ist der Schopf und der Wickelkamm, sowie die Kastenform des Körpers.

Sulmtaler waren einst ein fleischbetontes Zweinutzungshuhn, wobei in den letzten Jahren zunehmend die Eierleistung verbessert wurde und die Eier und Fleischleistung heute fast gleichwiegend ist. Mit 180 Eiern pro Jahr sind sie unter Rassehühnern Obergrenze, können aber trotzdem an die Leistung der heutigen Hybridhennen mit 300 Eiern pro Jahr nicht mithalten, weshalb sie in der Landwirtschaft heute leider keine große Bedeutung haben.

Hauptzuchtgebiet ist die österreichische Steiermark. Sulmtaler sind aber auch in Deutschland in der Hobbyzucht verbreitet.

 

 

 

 

 

Das Sundheimer Huhn

 

 Das Sundheimer Huhn ist eines der ältesten und gilt auch als einzige Hühnerrasse Baden-Württembergs. In Kehl am Rhein, der Region um Sundheim wurde dieses Prachthuhn gezüchtet und erstmals 1886 präsentiert. Eigenschaften wie gute Mästbarkeit, eine hohe Legeleistung, Robustheit und Leichtfuttrigkeit machen dieses schwere Landhuhn interessant für Selbstversorger und die nachhaltige, bäuerliche und ökologische Landwirtschaft. Farblich sind Hennen und Hahn identisch. Die Schwarzcolumbia Färbung, ein schwarzer Halsbehang und schwarze Schwanzspitzen auf weißem Gefieder und die befiederten Läufe stechen dem Betrachter sofort ins Auge und lassen diese Rasse sehr majestätisch wirken. Die Eifarbe ist cremefarbig. Hauptzuchtgebiet ist auch heute noch Baden-Württemberg, aber dank der tollen Leistung als Zweinutzungshuhn sind die Sundheimer auch in nördlicheren Bundesländern mittlerweile verbreitet. 

 

 

 

                                           

 

                                              Das Schweizer Huhn

In den Nationalfarben der Schweiz rot und weiß präsentiert sich das Schweizerhuhn als das Nationalhuhn der Schweiz.

Ganz so alt ist das Schweizer Huhn gar nicht. Nach dem ersten Weltkrieg züchtete Alfred Weiß ein typisches Zweinutzungshuhn für den Selbstversorger.

Das Schweizerhuhn wurde das Erfogshuhn der Schweiz und bald schon hatte fast jeder Schweizer Bauernhof auch Schweizer Hühner.

Diese Erfolgsschiene erreichte diese Rasse durch ihr einfaches Wesen und guter Eier- und Fleischleistung.

Als dann aber auch in der Schweiz die Hybridhennen aufkamen war auch die Blütezeit des Schweizerhuhns am Ende und die Rasse wäre beinahe komplett verschwunden. Nur durch den großen Einsatz der Organisation ProSpeciaRara konnte der Bestand gesichert werden. 

Heute gilt der Bestand in der Schweiz als stabil. In Deutschland ist das Schweizer Huhn aber eine Seltenheit.

Leider hat der Fuchs unseren Zuchtstamm geholt, weshalb wir momentan die Schweizerhuhnzucht eingestellt haben!

 

 

                              Weitere Informationen zu alten Nutztierrassen gibt es auf der Webseite von VIEH: www.vieh-ev.de 

Zudem sind wir Mitglied bei der GEH, der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen. Auch auf deren Webseite gibt es viel Informationen rund um die Erhaltung bedrohter Rassen: www.g-e-h.de

 

 

Für uns ist der Erhalt der alten Rassen eine Herzensangelegenheit und wir freuen uns jeden Tag aufs Neue, wie schön die Vielfalt unserer   Nutztiere, die den Menschen von Beginn an begleiten, doch ist.

Auf Absprache bieten wir Führungen für Gruppen, Familien, Schulklassen etc. durch die Nutztierarche an, bei denen die Tiere hautnah erlebt werden können.

In diesem Sinne: Es lebe die Vie(h)lfalt !