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Der Lebensweg unserer Lämmer

Veröffentlicht am 06.12.2019

Fleisch wächst nicht auf Bäumen!

Wie könnt ihr das Fleisch von euren Tieren essen und warum schlachtet ihr überhaupt wenn eure Rassen doch vom Aussterben bedroht sind? Diese und ähnliche Fragen bekommen wir öfters mal gestellt. Deshalb wollen wir hier in unserem Blog mal ein wenig über die unangenehme Seite der Nutztierhaltung sprechen und vor Allem unseren Kunden, die ja letztendlich das Fleisch und die Wurst bei uns kaufen einen Einblick in den Lebensweg und das Ende dieses Weges gewähren.

Jeder Tierzüchter, egal ob er bedrohte oder nicht bedrohte Rassen züchtet, wählt nur die besten Tiere für die Weiterzucht aus um die besonderen Rassemerkmale, Robustheit und Gesundheit genetisch zu erhalten. Der Überhang geht in die Schlachtung und ist schließlich der Broterwerb des Züchters. Zudem wird die Herde jedes Jahr verjüngt. Das heißt ein paar ältere Tiere machen Platz für Jüngere.

Das Motto der Erhaltungszucht heißt "Erhalten durch Aufessen", den je mehr das Interesse nach Produkten alter Rassen steigt, desto mehr Züchter und Landwirte legen sich solche Rassen zu. Die Art bleibt erhalten und die Population vergrößert sich.

Es fällt keinem von uns leicht Tiere zu töten oder gar zu entscheiden wer zum Schlachter muss und auch uns blutet jedes mal das Herz, schließlich kennen wir unsere Tiere von Geburt an und leben tagtäglich mit ihnen. Aber wir haben es akzeptiert, dass es zur Nutztierhaltung dazugehört.

Nun zum Lebensweg unserer Lämmer:

Beginnen tut Alles mit dem Tag der Geburt. Unsere Mutterschafe bringen ihre Lämmer größtenteils alleine in der Nacht zur Welt. Das Lamm wird von der Mutter trockengeleckt und steht bereits wenige Minuten nach der Geburt auf und sucht nach dem Euter um die Überlebenswichtige Biestmilch zu sich zu nehmen. Ein Lamm kommt komplett ohne Immunsystem zur Welt und bekommt den ersten Immunschutz durch die Biestmilch (Colostrum). 

Sobald wir das neue Familienglück bemerken sperren wir Mutter und Lämmer (Zwillinge sind bei Schafen sehr häufig) in eine separate Bucht, die so genannte Ablammbucht. Hier bleiben Mutter und Lämmer ca. 3 Tage. Während dieser Zeit entsteht eine tiefe Mutter-Kind-Bindung, die ein Leben lang anhält. Später in der Herde erkennen sich Mutterschaf und Lamm an Geruch und Stimme.

Sobald die Ablammsaison vorüber ist und es draußen grün wird kommt der große Tag des Weideaustriebs. Von nun an bleiben alle Schafe Tag und Nacht auf der Weide. Wir betreiben Koppelschafhaltung. Das heißt wir ziehen über die Saison von Wiese zu Wiese, wobei sich die Schafe immer eingezäunt in Koppeln befinden, die wir täglich kontrollieren.

Im Juni werden die Mutterschafe geschoren. Die Lämmer jedoch behalten ihr Wollvlies.

Mit ca 4 Monaten werden die männlichen Lämmer geschlechtsreif und werden dann von der Herde getrennt und so auch gleichzeitig von der Milch entwöhnt. Die Trennung von der Mutter bringt zwar eine Nacht Geblöhke mit sich, aber schon nach wenigen Tagen ist die Welt wieder in Ordnung. Die weiblichen Lämmer bleiben in der Herde. Ab diesem Alter sprechen wir bereits von der Lämmermast. Wir betreiben bei den weiblichen Lämmern reine Weidemast ohne Zugabe von Kraftfutter. Das hat sich bewährt, da weibliche Lämmer schneller Fett ansetzen als männliche und Schaffett bekanntlich keinen angenehmen Geschmack hat. Die männlichen Lämmer werden auch auf der Weide gemästet, bekommen aber täglich eine kleine Portion Hafer.

Ab Oktober sind die ersten Lämmer dann schlachtreif und werden geschlachtet. Die letzten, vor allem die Moorschnucken, im Februar.

Der Schlachttag läuft folgendermaßen ab: Bereits einige Stunden vor dem Transport werden die Schlachtlämmer separiert. Den Verladehänger kennen sie von den Weideumzügen bereits und laufen meist von selbst hinein. Wichtig ist ein ruhiger Umgang um Stress zu vermeiden. Der Fahrtweg beträgt gerade mal 15 min nach Mainhardt, wo wir unsere Lämmer in einer kleinen Schlachterei schlachten lassen. Die Lämmer werden einzeln von uns aus dem Hänger geführt, kurz befeuchtet und dann  mit einer Elektrozange betäubt. Nachdem der Metzger an Augen und Beinen überprüft hat ob das Tier voll betäubt ist, wird es in den Sclachtraum gezogen und durch den Kehlschnitt getötet und zum Ausbluten gebracht. Nun wird Haut, Fell und Innereien entfernt und das Tier vom Amtsveterinär untersucht und zum Verzehr freigegeben. Der Metzger zerlegt das Lamm fachgerecht und so landen die Einzelteile ganz oder in der Wurst wieder bei uns und werden verkauft oder selbst gegessen.

Wir sind alle in der Familie Fleischesser und essen besonders gern und am liebsten unser eigenes Fleisch ohne schlechtes Gewissen, denn bei uns fängt der Fleischverzehr nicht erst am Kühlregal an, sondern mit der Geburt eines kleinen Lämmchens.